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Herzlich
willkommen und hereinspaziert! Sie befinden sich auf den privaten Seiten
von Maria Stettner. Nützliches und Wissenswertes aus den Bereichen
Kirche und Theologie wird Ihnen hier ebenso präsentiert wie Einblicke
in die traumhafte Welt Norwegens und der Alpen. |
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Predigten
zum Alten Testament
Höre mich, wenn ich rufe – der Gott der Psalmen Liebe Gemeinde! 1. Woran es wohl liegt, dass so viele Menschen sich in den Psalmen
wiederfinden? Dass sie das Gefühl haben: hier kann ich mir Worte leihen, die
mir sonst fehlen? Die Psalmen sind uralte Worte und Gebete. Seit Jahrtausenden von
Menschen gebetet, und doch offensichtlich immer noch hochaktuell. Vielleicht
weil sie so etwas sind wie ein Spiegel? Ein Spiegel der Seele. Elementare
Bedürfnisse und Lebenserfahrungen werden in Worte gefasst. Ohnmächtige Wut,
Zorn, Sehnsucht nach Frieden, nach Schutz und Hilfe, nach Gottes Nähe ... Psalmen sind aber auch ein Spiegel des Gottesbildes derer, die
sie ursprünglich beteten und aufschrieben. Wie nähern sich die Psalmbeter ihrem Gott?
Was für ein Gott ist das? 2. Die jüdische Tradition nennt den Psalter: Buch der
Preisungen. Dahinter steht die Vorstellung vom Menschen: Ein lebendiger
Mensch ist einer, der Gott lobt, der preisend über Gott spricht, in Wort,
Gestus, musikalischer Begleitung. Genau darin unterscheidet er sich von einem
Toten, von einem, der abgeschnitten ist vom Leben, von Gott und den Menschen.
(Ps 6,6: Denn bei den Toten denkt niemand mehr an dich. Wer wird dich in
der Unterwelt noch preisen?) 3. Das Loben Gottes ist Zeichen der Lebendigkeit. Dass Gott
gelobt wird, ist in der Bibel ein ganz selbstverständliches Geschehen. Das
Ziel des Daseins besteht darin, die Grundkomponente des Menschseins. Der
Mensch geschaffen zu Gottes Lob. Darum wird öffentlich gelobt, nicht im Verborgenen. Das Loben Gottes drängt nach außen als dankbare Lebenshaltung
und als Freude. Das Gotteslob hat nicht nur mit Gott und der Gottesbeziehung
zu tun, sondern hat auch Bedeutung für das Miteinander der Menschen. Es setzt
sich fort in der Familie, in der Gruppe, in der Gemeinde, in der Gesamtheit
der Völker, auch über die Generationen hinweg. Die Taten Gottes werden
weitererzählt von Vätern und Müttern an die Kinder und Enkel. - „Lobe den
Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Ps 103) Was Gott Gutes getan hat, ist es wert, bekannt gemacht zu
werden. Ganz anders als in unserer Zeit, wo nicht die Freude und schon gar nicht
Lob Gottes, sondern die Nörgelei, die Unzufriedenheit transportiert werden.
Wir erzählen von unseren Wehwehchen. Wer nicht etwas zu beklagen hat, und
seien es der Zeitdruck oder die schlechten Politiker, wird schief angeschaut.
So jammern wir über die schlechte Welt, vielleicht auch über unsere Leiden. Dabei bleiben wir bei uns, starren auf uns selbst und
beschränken selbst unsere Lebenssicht. 4. Wirkliches Leiden sperrt ein, die Not
verschließt Menschen. In einigen Psalmen werden gemäß vorherrschender
Tradition Menschen als Vorbilder hingestellt, die leidvolle Erfahrungen bei
sich behalten und still auf Gottes Eingreifen hoffen (37,7; 38,14; 39,3.10). Es braucht also offensichtlich einen starken Leidensdruck, um
seine Not herauszuschreien, so wie es der Beter im Bußpsalm 32,2ff tut (Denn
als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein
tägliches Klagen.) Dass im Psalter Klagen so häufig, vielfältig und so intensiv
vorkommen ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas ganz
Besonderes. 5. Das gibt uns einen Hinweis darauf, wie sich die Menschen Gott
vorstellten, wie sie ihn erlebten. Diesen Gott kann man mit Klagen behelligen. Er will nicht nur gelobt
werden, sondern öffnet sich den Menschen in allen Lebenslagen. Bei einem
Gott, der tyrannisch ist, nur an sich selbst interessiert, ein Despot, kann
sich keiner beklagen. Da darf keiner sein Herz und seine Lasten offen legen.
Das geht nur bei einem Gott, dem man Verständnis zutraut und Interesse an
einem einzelnen Menschen und seinen Bedürfnissen und Grundnöten - und mehr
als das: Einfluss und die Bereitschaft und Fähigkeit, die Dinge zum Besten zu
wenden. Dieser Gott ist ansprechbar und lebendig. Er nimmt teil am Leben
der Menschen in allen Facetten. Im Psalter finden sich: Klagen über politische Verfolgung, über
Rechtsnot, über Krankheit, über Todesnot und Schädigung bis zum Tod. In den
Armenpsalmen die Klagen über kollektives Leiden an der Gesellschaft, Leiden
an der eigenen Schuld, Leiden an der Vergänglichkeit. Volksklagen: Leiden an
geschichtlichen Katastrophen. Allgemeine Klagen, Feindklagen, Anklagen
Gottes!! In den Klagen der Psalmen hat Vieles Platz: da wird Not beklagt
und geschildert. Da sind die bohrenden Fragen nach dem Warum? und Wie lange
noch? und da ist die Anklage Gottes. Schließlich die inständige Bitte –und
Gott wird um Hilfe gedrängt. Das Klagen hat keine Begrenzung, es gibt keine Denk- oder
Sprechverbote. Das Wesentliche ist, dass die Verbindung zwischen Gott und dem
Beter gehalten wird. Und wer mit Gott spricht, auch in Form der Klage, hält
genau diese Verbindung. 6. Geradezu typisch für die Klagepsalmen ist, dass in ihnen ein
Stimmungsumschwung passiert. Auf dem Höhepunkt der Notschilderung und Bitten
geschieht ein Wandel. Ganz plötzlich taucht da die Rettung auf. Sie wird
einfach festgestellt: Ps 3,8 Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir
Hilfe! – Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den
Frevlern die Zähne zerbrochen. – oder - Ps 22,22 Rette mich vor dem
Rachen des Löwen! – Vor den Hörnern der Büffel hast du mich erhört. Die Klage bricht durch zum Lob. Wie ist das
zu erklären? Die Psalmbeter befinden sich in einem „Gebetsprozess“: und
mitten in der Klage – ohne „Vorwarnung“, völlig unvermittelt - stellt sich
die Gewissheit der Erhörung bzw. die Wende der Not ein. Ein Großteil der
Klagepsalmen endet darum mit Äußerungen des Vertrauens und/oder im Lobgelübde
„ich will dich loben immerdar“. In den Klagepsalmen wird ein Prozess sichtbar, ein innerer Weg
vielleicht, in dem ein betender Mensch Gott zum Eingreifen bewegt, um die Not
zu wenden und den Beter in den ersehnten Zustand des Lobens zu versetzen. Das
Loben ist Rückkehr und zugleich Ziel des integren geschöpflichen
Daseins vor Gott. Aber woher beziehen die Beter die Gewissheit des Wandels? Dass
sich also etwas Entscheidendes ändern wird, ja sich schon geändert hat? - Aus
der Erfahrung, die sie selbst mit Gott bereits gemacht haben. Und nicht nur
sie selbst, auch andere Menschen, aus der Familie, aus der Sippe, aus der
Umgebung. Darin, dass öffentlich gelobt wird, liegt diese vergewissernde
Kraft. Darum ist es so existentiell wichtig, andere am Loben teilhaben zu
lassen. Menschen erinnern sich gegenseitig daran, dass Gott in der Lage war
und ist, Situationen grundlegend zu ändern. 7. Aber ist das nicht Selbstbetrug? Selbstkonditionierung? Was
ist denn wenn Gott schweigt, wenn er nicht hilft, wenn die Umbruchserfahrung
ausbleibt? Auch diese Erfahrung spiegelt sich in den Psalmen wieder, wenn
es beispielsweise um nationale Schicksalsschläge geht. Sie werden beklagt,
ohne die Aussicht auf schnelle Veränderungen. Immer wieder wird die notvolle Gegenwart dann mit der
vergangenen Heilsgeschichte konfrontiert. Es wird keine Auflösung angeboten,
sondern die Beter werden zu eigenen Konsequenzen und Rückschlüssen
herausgefordert. Manche Psalmen enden zwar dennoch mit dem traditionellen
Versprechen des Lobes, andere aber auch ohne Vertrauensbekenntnis und
Lobversprechen (Ps 88 und 89). Am Ende steht der Ruf nach dem Eingreifen
Gottes. Die Spannung gilt es auszuhalten, dass das Lob noch aussteht. Wenn Menschen Gott loben, wie Israel und viele Psalmbeter, dann
ist das häufig ein durch die Klage errungenes Loben. Es drückt den Willen
aus, trotz aller Belastungen und allen Leidens an Gottes Treue festzuhalten (Dennoch
bleibe ich stets bei dir ... Ps 73) und Gott selbst an seine
Durchsetzungskraft zu binden. 8. Ein letzter Gedanke: Sowohl wer klagt und bittet, als auch
wer Gott lobt, redet von und zu Gott. Die Sprache der Bitte/Klage und die
Sprache des Lobens unterscheiden sich allerdings deutlich voneinander. Beim Bitten und Klagen werden konkrete Situationen und Anliegen
benannt. In der Regel legt der, der bittet, fest, wie er sich die Erfüllung
der Bitten vorstellt. Und: wer bittet, geht aus von sich und von seiner Welt.
Wer lobt, geht dagegen von Gott aus, denkt von Gottes
Möglichkeiten her. Das Gotteslob bleibt offen, denn es spricht von dem her,
was kommt. In gewisser Weise hat natürlich auch das Loben Gottes eine
bittende Funktion: das Lob will die Veränderung einer Welt, die dem Lob
widerspricht. Aber es lässt Gott alles offen. Lob Gottes kommt von der
Zukunft Gottes her. Ein Mensch, der Gott lobt, ist seiner Zeit voraus! Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als
alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. |
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Letzte
Aktualisierung: 28.4.2005 |
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